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12. Januar 2014

von Tim Watters, Forograf auf der Steve Irwineditorial 140108 1 03 Tim Watters 0034932 150wAm 5. Januar 2014 erwachte ich an Board der Steve Irwin, während wir stetig zwischen haushohen Eisbergen antlangschifften. Jedes Mal auf Neue staune ich über diese Eisberge. Wir waren schon etwas über zwei Wochen auf See, und an jenem Morgen bei einem Kaffee kam ich nicht umhin, die Schönheit und Wildnis dieser Landschaft zu bewundern.


Was für ein Glück, dieses Gebiet unseres Planeten am eigenen Leibe erleben zu dürfen -  und wie enttäuschend, dass irgendwo da draußen die mörderischen Harpunen lauern. Schon seit einigen Tagen näherten wir uns einem Areal im Südpolarmeer, in dem wir die illegal jagende japanische Walfangflotte vermuteten. Der Plan für den Tag bestand darin, unseren Hubschrauber auf mehrere Kundschaftsflüge zu schicken und bestenfalls die Nisshin Maru, das Fabrikschiff der Waöfänger, zu finden.

Als Fotograf auf der Steve Irwin flog ich mit Gerry, unserem Hubschrauberpiloten, und Joey, einem unserer Kameraleute. Gegen elf Uhr vormittags startete der erste Flug. Schon während der ersten Stunde erregte etwas meine Aufmerksamkeit, und ich versuchte immer wieder meine Augen auf eine dunkle Linie, die ich gerade eben unter dem Horizont zwischen dem Packeis erspäht hatte, zu fokussieren. Ich schoss auf die Entfernung ein Foto, und als ich in das Bild einzoomte, konnte ich aufgeregt Gerry und Joey verkünden: "Wir haben Blickkontakt mit der Nisshin Maru."



Als wir uns der Nisshin Maru näherten, sah ich, dass irgendwas anders war als sonst. Seit der Operation Zero Tolerance im letzten Jahr kenne ich das Schiff sehr gut. Damals flogen wir unzählige Male darüber hinweg, während wir die gesamte Flotte aus dem antarktischen Walschutzgebiet verjagten. Aber was war anders dieses Jahr? Zuerst dachte ich, dass da vielleicht irgendeine neue Konstruktion am Ende des Schiffes in der nähe der Gleitbahn sei. Aber dann wurde ich plötzlich einer Reihe grauer und schwarzer Formen gewahr, die gerade oberhalb der Gleitbahn lagen. "Verdammt", (oder so ähnlich) entfuhr es mir durch das Mikrofon der Hubschrauberkommunikation. Gerry frgate mich, was ich denn sähe, und ich antwortete: "Da liegen Wale."


Die erste Sichtung der Nisshin MaruDie erste Sichtung der Nisshin Maru

Wir kreisten um das Heck, flogen von Backbord nach Steuerbord, und während ich das Foto machte, schossen mir Bilder aus der Vergangenheit durch den Kopf. Dieser spezielle Augenblick verflocht sich mit Erinnerungen aus der Vergangenheit, als ich vor einem Computer saß und mich gerade über den Walfang in der Antarktis informierte. Die Bilder, die ich damals sah, hatten mich sehr aufgewühlt und letzlich zu der Entscheidung gebracht, die mich zu eben diesem Augenblick hier geführt hat: in einem Hubschrauber zu sitzen und das letzte walverarbeitende Schiff der Welt zu umkreisen.

Drei illegal gefangene ZwergwaleDrei illegal gefangene Zwergwale

Vor mir lagen drei tote Zwergwale. Zwei von ihnen lagen auf dem Rücken, ihre weiße Brust gen Himmel zeigend, von Blutlachen umgeben. Der dritte lag mit geschlossenen Augen auf dem Bauch, und das große Eigengewicht des Tieres drückte den Körper flach. Als wir hinter der Nisshin Maru flogen, merkte ich, dass ein dicker Schlauch seitlich in den Rachen des dritten Wals gesteckt worden war, der Wasser in den Körper pimpte und die Körpermitte aufblähte, wahrscheinlich um das dicke, warme Blut zu verdünnen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass seine Eingeweide gut aus dem Körper herausgespült werden, wenn er aufgeschnitten wird und so das Saubermachen des Decks nach dem Schlachten leichter wird. Ich hatte diesen Teil der "Prozedur" noch nie vorher gesehen, und ich hasste jeden einzelnen Schritt des Vorgehens. Hier lag ein wunderbares Wesen, dessen Körperbau und Form sich so offenkundig perfekt entwickelt hatte, um sein Leben lang Tausende von Meilen zu schwimmen und die Meere unserer Welt kraftvoll zu durchqueren. Und neben diesem Wesen der Mensch, der ihm gerade seinen schrecklichen Willen aufgezwungen hat, unerlaubt und ohne Rücksicht auf die Gefühle des Tieres oder seine Existenzberechtigung. Und selbst im Tode steckt der  Mensch seine künstlichen Werkzeuge allein zum Zwecke seiner eigenen Bequemlichkeit in den Körper des Tieres.

Geschützter Zwergwal, der die Ausschlachtung erwartetGeschützter Zwergwal, der die Ausschlachtung erwartet

So grauenvoll wie diese Szenerie war, so wurde es noch schlimmer, als wir uns nach Steuerbord wandten und auf die große, offene Deckfläche des Schiffes heruntersahen. Hier werden die Wale aufgeschnitten und ausgeschlachtet, und an dieser Stelle sah man die Überreste und das Blut eines kürzlich zerschnittenen Wales unter den Füßen von ca. 20 Männern. Diesen Anblick hatte ich noch nie - weder auf Fotos noch in Filmen - zu Gesicht bekommen. Ich konnte das Massaker vor meinen Augen einfach nicht fassen. Als wäre etwas Rotes auf dem Deck expoldiert, schockierend und grotedk. Im Zentrum des Decks lag eine verzerrte, eformierte Masse Fleisches. In alle Richtungen verstreut lagen Stücke dunkelroten Fleisches, Muskelstränge, ein großes Stück der Wirbelsäule und unverkennbar sogar der Kieferknochen und der Kopf - ein vierter Zwergwal war hier gerade zerteilt worden. Es gab so viel zu sehen und zu dokumentieren, jedoch konnte ich mich von den verschlungenen Walteilen in der Mitte des Decks nicht losreißen. Als ich mit meiner Kamera hineinzoomte, merkte ich, dass ein Haken die Masse mit einem Seil verband, das zum vorderen Bereich der Nisshin Maru führte. Wahrscheinlich verband dieses Seil den Körper des toten Wales mit der Winde, die den Wal vom hinteren Teil des Schiffes nach vorne zog, in das Schlachtareal. Diese unidentifizierbare Masse, eine Ansammlung von Muskeln, Gewebe und Knochen, war alles, was von einem wunderbaren und gigantische Säugetier übriggeblieben war, das viele Menschen dieser Welt, mich eingeschlossen, liebgewonnen hatten.

Das blutverschmierte Deck der Nisshin MaruDas blutverschmierte Deck der Nisshin Maru

Die letzten Überreste eines geschlachteten ZwergwalsDie letzten Überreste eines geschlachteten Zwergwals

Es sah so aus, als hätte ein Kampf stattgefunden. Zwar wusste ich, dass der Wal bereits tot sein musste, als er an dieser Stelle des Schiffes angekommen war, jedoch verliefen vom Zentrim des Decks, von dieser riesigen Lache verklumpten und rötlich-schwarzen Blutes, Schmierspuren in jede Richtung des Schiffes. Jetzt konzentrierte ich mich auf die Crew-Mitglieder der Nisshin Maru, die mitten durch das Blut schritten oder auf den Knochen des Wales standen. Von unserer Höhe aus gesehen wirkten se wie Ameisen, die um den Leichnam eines toten Tieres auf dem Gehweg wimmelten. Alle waren entweder mit einem großen oder kleinen Messer, einem Haken oder drei Utensilien ausgestattet. Jeder einzelne Arbeiter ging zu einem Teil der Überreste des Wales und schnitt das Fleisch entweder in portionsgerechte Stücke oder zog es angehkt zu einem anderen Areal des Schiffes. Ich machte mir erneut bewusst, dass dies, so ich der japanischen Regierung Glauben schenke, ihre Wissenschaftler sein sollten. Jedoch konnte ich in ihnen nur Schlächter sehen, die zugeschnittene Fleischteile sortierten und die guten Teile des Fleisches von denen trennten, die sie für nutzlos erachteten und zu einem Fließband nach Backbord zogen, welches sie zurück ins Wasser transportierte - ins wilde Wasser der antarktischen See, die ohne das menschliche  Morden frei von Blut wogen dürfte.

Die Crew der Nisshin Maru
Die Crew der Nisshin Maru beim Sortieren des WalfleischesDie Crew der Nisshin Maru beim Sortieren des Walfleisches

Wir zogen unsere Kreise über dem schwimmenden Schlachthaus und meldeten der Steve Irwin dessen Position, welche die Information wiederum an die Sam Simon und die Bob Barker weitergab. Sea Shepherd umzingelte die Walfangflotte, so konnten sie nirgendwo hin. Wir hatten sie auf frischer Tat ertappt und die beschämende Realität und Brutalität dieser antaktischen Tragödie für die Welt dokumentiert. Da uns der Treibstoff ausging, fligen wir zur Steve Irwin zurück. An diesem Tag gab es noch zwei weitere Flüge. Als wir zum zweiten Mal abfligen und die Nisshin Maru erreicht hatten, etwas über eine Stunde, nachdem wir sie zuerst gefunden hatten, waren schon alle dei Wale zerstückelt und verstaut - die Decks waren wieder sauber.

Als ich mir später meine Bilder noch einmal ansah, erkannte ich schließlich, was in diesem Jahr an der Nisshin Maru anders war als sonst. Sie hatten nichts hinzugebaut, und es war auch nicht der Fakt, dass sie dieses Jahr Wale an Bord hatte. Aber bis letztes Jahr waren die Decks der Nisshin Maru aus dunkelbraunem Holz. Dieses Jahr jedoch hatten ihre Dekcs eine hellbeige Darbe. Wer auch immer für diese Veränderung verantwortlich ist, wird seine Entscheidung bereuen, denn es waren genau diese hellen Dekcs, die es möglich machten, der Welt das Morden so eindrücklich zu zeigen. Die Decks sorgten für einen schockierenden Kontrast zwischen weiß und rot und damit für einen optisch perfekten Hintergrund, das blutige Spektakel des Walfangs aufzuzeigen. So konnten sie ihre Verbrechen nicht mehr verstecken.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, was ich an jenem Tag gesehen habe, würde ich liebend gerne mit einem Repräsentanten der japanischen Regierung zusammensitzen und ihn erklären lassen, wie das, was ich sah, wissenschaftliche Forschung sein kann. Wie die Crew der Nisshin Maru in soclh einer kurzen Zeit vier Wale verarbeitet, ihr Fleisch in gleichförmige Stücke schneidet und es in Plastikbehälter verpackt, die genauso ausshen wie die Walfleischstücke, die ich in Japan auf den Märkten zum Verkauf gesehen habe. Wie könnten sie die Wale in der kurzen Zeit studieren? Und was passiert nun mit dem Fleisch? Sie sagen, es sei nicht für den kommerziellen Verkauf. Wie soll ich das denn glauben? Welche Art Forschung benötigt 1035 ganze Wale als Proben, die dann komplett zerstückelt und verpackt werden? Was forschen sie?

Die Antwort darauf ist natürlich eine, die wir alle schon längst kennen: dass es sich nicht um Forschung handelt. Daran gab es auch niemals Zweifel. Dennoch würde ich gerne mit einem Repräsentanten zusammensitzen und hätte gerne die ganze Welt bei mir, so dass wir kollektiv fragen könnten: "Warum? Warum müsst ihr das tun? Was gibt euch das Recht, so etwas zu tun?"

1986 entschied die Welt, den Walfang zu stoppen. Wir hatten unsere Lektion gelernt. Wir entschieden, dass wir dieses mörderische und unmoralische Vorgehen nicht mehr nötig haben. Es hat so vielen unschuldigen Tieren das Leben gekostet - ohne auch nur zu berücksichtigen, dass sie ein Recht auf Leben haben und dass sie eine Rolle in dem großen verworbenen Netz des lebens auf unserem Planeten spielen. Doch das Töten geht weiter. Die Regierungen der Welt, die das ganze stoppen könnten, tun nichts. Sogar hier an Bord der Steve Irwin, am anderen Ende des Planeten, wissen wir, dass die Bilder und Filme, die wir am 5. Januar 2014 einfingen, Menschen auf der ganzen Welt erreichen und berühren. Wir wissen, dass Ihr alle seht, was wir an diesem Tag gesehen haben. Und wir wissen, dass Ihr mitfühlt. Ihr seid wütend, Ihr seid traurig, Ihr seid überzeugt, dass das, was an diesem Tag geschah, nicht wieder geschehen darf - niemals. Wir wissen auch, dass die Regierungen der Welt unsere Aufnahmen sehen werden. Ich zweifle nicht daran, dass auch sie als Individuen dasselbe fühlen wie wir alle. Der Unterschied zwischen uns und ihnen besteht darin, dass sie die Macht hätten, dem ein Ende zu setzen und dass sie diese Macht nutzen und dafür sorgen könnten, dass die japanische Regierung internationale Gesetze akzeptiert.

Ich werde niemals vergessen, was ich an jenem Tag gesehen habe und hoffe, dass es das letzte Mal war. Dennoch weiß ich, dass das Töten weitergeht; dass die japanische Walfangflotte immer noch illegal Wale jagd. Auf eine Weise bin ich froh, dass wir diesen Augenblick haben einfangen und dokumentieren können, so dass jene vier Wale wenigstens nicht ganz umsonst gestprben sind. Wir haben der Welt zeigen können, was hier in der Antarktis passiert. Wir werden alles uns Mögliche dafür tun, dass kein einziger Wal mehr von ihrer Hand sterben muss. Nun ist es an Dir, Deinen Beitrag zu leisten. Wenn auch Du das SChlachten stoppen möchtest, dann ist es auch in Deiner Verantwortung herauszufinden, wie du am Besten mithelfen kannst. Ob D uuns dabei hilfst, unsere Schiffe am Laufen zu halten, ob Du Druck auf Deine Regierung ausübst und ihnen mitteilst, wie wütend Du darüber bist, dass sie so wenig tun, den Walfang zu stoppen, oder ob Du unsere Bild- und Filmdokumentation Deinen Freunden und Deiner Familie weitergibst - jede noch sic kleine Tat zählt.

Ich kann Dir nur sagen, dass es unsere Aufgabe ist- die Aufgabe aller mitfühlender Menschen dieser Welt - den Walfang zu stoppen. Die Wale brauchen uns jetzt genauso wie schon immer. Ich hoffe, dass der Tod dieser Wale etwas in Dir ausgelösen wird, damit Du auf Deine Weise den anderen Mitgliedern ihrer Walfamilie hilfst. Zwar schwimmt diese mit ihren Nachkommen heute noch frei im Südpolarmeer, aber schon morgen könnte sie sich den explosiven Harpunen der Walfangflotte gegenübersehen.


Zwergwal

ZwergwalEin Zwergwal, der die Steve Irwin vor einer Woche besuchte

All photos by Timm Watters




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