Sea Shepherd Crew auf Patrouille12. Dezember 2014
In Zusammenarbeit mit der 'Latin American Sea Turtles Association' (LAST) 
hat Sea Shepherd kürzlich Operation Pacuare beendet – unsere erste Kampagne zum Schutz von Meeresschildkröten 
in Costa Rica. Die erfolgreiche Kampagne gegen das Wildern dieser Tiere begann am 15. August 2014. 
Ortsansässige Freiwillige aus Costa Rica und Helfer aus der ganzen Welt patrouillierten jede Nacht 
an den acht Kilometer langen Stränden von Pacuare und hielten nach nistenden Meeresschildkröten und ihren Gelegen Ausschau. 

Im Laufe der Kampagne fanden die Freiwilligen von Sea Shepherd auf ihren nächtlichen Patrouillengängen 42 Gelege und brachten die darin befindlichen 4.737 Meeresschildkröteneier an sichere Stellen. Die gefundenen Gelege umfassten 559 Eier von gefährdeten Lederschildkröten, 1.532 Eier von gefährdeten Grünen Meeresschildkröten und 2.646 Eier von stark gefährdeten Echten Karettschildkröten. Leider schlüpften nicht alle Jungen, da einige Eier nicht befruchtet waren oder sich die Jungen nicht schnell genug entwickeln konnten. Es konnten aber 269 Lederschildkröten, 1.163 Grüne Meeresschildkröten und 1.546 Echte Karettschildkröten das Meer erreichen, und das macht – alles in allem – 2.978 gerettete Meeresschildkröten.

Eine gerettete Grüne Meeresschildkröte auf dem Weg ins MeerFür Wilderer auf Pacuare gilt ein unausgesprochenes Gesetz: Derjenige, der als erstes eine Schildkröte oder ihr Gelege entdeckt, hat Anspruch darauf. Vor diesem Hintergrund waren unsere nächtlichen Patrouillen umso wichtiger. Immer, wenn Freiwillige ein Nest entdeckt hatten, wurden die Eier entnommen und in eine bewachte Brutstätte gebracht. Doch wenn ein Wilderer ein Nest gefunden hatte, wurde es geplündert und die Eier als angebliches Aphrodisiakum auf dem asiatischen Schwarzmarkt verkauft. Wenn wir eine nistende Meeresschildkröte erspähten, konnte sie unter den wachsamen Augen unserer Freiwilligen sicher in den Ozean zurückkehren und wurde nicht wegen ihres Fleisches von den Wilderen geschlachtet.

In der Brutstation konnten sich die Eier in Ruhe entwickeln, ohne von tierischen oder menschlichen Räubern bedroht zu werden. Sobald die Jungen geschlüpft waren, wurden sie gemessen und gewogen, um weitere Daten über die Arten zu sichern. Dann brachte man die Tiere sofort ins Meer.

In diesem Jahr wurden nicht alle Meeresschildkröten am Strand von Pacuare über Nacht gerettet. Eines Nachmittags ging ein Freiwilliger von Sea Shepherd gerade den Strand entlang, als er eine Meeresschildkröte fand, die anscheinend von einem Wilderer auf den Rücken gedreht worden war, um sie unbeweglich zu machen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Wilderer zurückkehren und sie wegen ihres Fleisches schlachten würden. Ohne das ungeschriebene „Wilderergesetz“ zu beachten, blieben einige Freiwillige tapfer bei dem Tier, das vermutlich beim Nisten von Wilderern erwischt worden war, und informierten die costa-ricanische Küstenwache. Aus Angst, für ihr Verbrechen zur Verantwortung gezogen zu werden, kamen die Wilderer nicht wieder. Daraufhin brachten die Freiwilligen und die Küstenwache die Meeresschildkröte unversehrt ins Meer zurück.

Die Aufgabe, die Meeresschildkröten von Costa Rica zu schützen, können die Freiwilligen von Sea Shepherd nicht alleine bewältigen. Die Bevölkerung schätzt es sehr, dass die Meeresschildkröten, die ihre Strände besuchen, geschützt werden. Sea Shepherds Ziel war es deshalb, die Wertschätzung durch direkten Kontakt und Engagement zu bestärken. Das erreichten wir dadurch, dass wir Ortsansässige als Leiter für die nächtlichen Patrouillen anheuerten. Somit waren die nächtlichen Patrouillen nicht nur effektiver; es schaffte für die Bevölkerung auch noch ein zusätzliches Einkommen – denn in dem kleinen Ort gibt es wenige Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

Unsere Freiwilligen haben auch durch andere Projekte in der Gemeinde geholfen, die Lebensbedingungen in dem kleinen Dorf zu verbessern. Das örtliche Krankenhaus – in jeder Gemeinde unbedingt nötig – konnte man anfangs gar nicht benutzen. Den sichtbar schlechten Zustand beseitigten die Freiwilligen durch eine sorgfältige Reinigung. Dadurch konnte man die medizinische Versorgung der örtlichen Bevölkerung gleich am nächsten Tag wieder aufnehmen. Die Freiwilligen befreiten den Hauptwasserkanal von wuchernden Pflanzen, wodurch das Dorf wieder leichter mit Booten zu erreichen ist. Darüber hinaus führten sie notwendige Reparaturen im lokalen Gemeindezentrum durch.

Das Zusammenspiel von Sea Shepherds direktem Eingreifen bei den nächtlichen Patrouillen, durch die die Meeresschildkröten den Wilderern nicht in die Hände fallen konnten, und der Hilfe, die wir beim Wiederaufbau der örtlichen Gemeinde leisteten, hatte positive Auswirkungen auf den Schutz von mehreren gefährdeten Schildkrötenarten in Costa Rica. Wir hoffen sehr, dass es einige der Jungtiere bis ins Brutalter schaffen und selbst eines Tages zur Eiablage an die Strände von Pacuare zurückkehren.

Unser Dank geht an alle Freiwilligen und großherzigen Unterstützer, die zum Erfolg dieser Kampagne beigetragen und es möglich gemacht haben, dass wir so viele Leben retten konnten – ob durch Spenden, ermutigende Worte oder ihre Zeit.

Vor der Freilassung wurden die Jungen gemessen Ein Junges versucht das Meer zu erreichten
Sea Shepherd-Freiwillige helfen beim Saubermachen des örtlichen Krankenhauses

Auf unserer Kampagnenseite 
findest du weitere Informationen.

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